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Was ist eigentlich ein Fertiggericht?

Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Viele Menschen denken da sofort an Tiefkühlpizza, Fischstäbchen und Ähnliches. Andere wiederum an Krankenhauskost. Und wieder andere an Menüs eines Haustürlieferanten. Alle haben irgendwo Recht, doch so einfach ist die Sache nicht. Grundsätzlich spricht man von Fertiggerichten, wenn die Zubereitung (ob bei einem Stück Fleisch, einer Beilage oder einem ganzen Gericht) weitestgehend nicht am Ort des Verzehrs erfolgt ist und das Gericht zur Haltbarmachung tiefgefroren oder beispielsweise vakuumiert wurde. Die Haltbarkeit wiederum ist sehr unterschiedlich und liegt zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen. Die Produkte sind im Lebensmittelgroß-, und Einzelhandel sowie beim Direktvertrieb der Hersteller erhältlich.

 

Wann wurden Fertiggerichte „erfunden“?

Als Anhaltspunkt kann die Erfindung eines russischen Ingenieurs 1897 gelten. Er entwickelte eine Mahlzeit in einer Konservendose, die sich durch Einleitung chemischer Prozesse erhitzen lies. Damit konnten Bergsteiger oder Expeditionsteilnehmer ohne Kochstelle warme Speisen zu sich nehmen. 1945 entwickelte eine amerikanische Firma Tiefkühlmenüs mit drei Komponenten (Fleisch, Kartoffeln und Gemüse). Diese Produkte kamen zunächst ausschließlich in Flugzeugen zum Einsatz. 1974 kam das sog. Sous Vide- (= unter Vakuum garen) Verfahren dazu – von einem französischen Koch erfunden. Durch den Entzug von Sauerstoff, verlieren die Lebensmittel kein Wasser oder Nährstoffe.

Alle diese Verfahren wurden perfektioniert und werden heute noch eingesetzt, um dem Verbraucher Zeit und Aufwand zu ersparen. Nur das mit dem chemischen Prozess zur Erhitzung von Dosen hat sich heute erübrigt.

 

Wo und wie werden Fertiggerichte hergestellt?

Den meisten Fertiggerichten ist gemein, dass die Speisen vorgekocht werden, um sie dann je nach Verfahren haltbar zu machen. Dabei gibt es industrielle Herstellungsprozesse, also mittels großer Produktionsstraßen wie auch die Herstellung in sog. Manufakturen, also sehr individuell und in kleiner Stückzahl. Im Regelfall werden bei der industriellen Fertigung Standardrohstoffe und Würzungen verwendet. Ziel ist ein niedriger Preis durch hohe Stückzahlen bei langer Haltbarkeit. Die Manufakturen dagegen setzen auf ausgewählte Rohstoffe. Der Herstellungsprozess dort erfolgt schonend und die Haltbarkeit wird im Sous Vide Verfahren oder durch Vakuumierung gewährleistet bei geringer bis mittlerer Haltbarkeit.

 

Was ist in Fertiggerichten drin?

Hier trennt sich endgültig die Spreu vom Weizen! Die Industrieprodukte enthalten im Regelfall Standardrohstoffe. Außerdem werden leider immer wieder Geschmacksverstärker eingesetzt und die Haltbarkeit wird durch einen erhöhten Salzanteil verstärkt. Bei den Manufakturprodukten dagegen werden ausgesuchte Zutaten aus regionaler Produktion verwendet. Die Zubereitung erfolgt schonend. Der natürliche Geschmack sowie eine möglichst schnelle Verwendung durch den Kunden stehen im Vordergrund. Das Ziel dieser Produkte ist, dass der Kunde keinen Unterschied zu frisch zubereiteten Produkten schmeckt.

 

Sind alle Fertiggerichte ungesund?

Diese und ähnliche Fragen tauchen immer wieder im Zusammenhang mit Fertiggerichten auf. Doch nicht nur hinsichtlich des Gesundheitsfaktors geraten Fertiggerichte oft unbegründet in Verruf. Nachfolgend haben wir die häufigsten Mythen zu den schnellen Gerichten unter die Lupe genommen.

Missverständnis #1: Fertiggerichte sind Industrieprodukte

Wie schon geschrieben, ist die Bandbreite an Herstellungsverfahren heutzutage sehr breit. Es gibt einfache bis hochwertige Industrieprodukte und daneben einen stetig wachsenden Anteil an sog. Manufakturprodukten. Ziel dieser Kategorie ist es, dem Kunden (ob Koch oder Endverbraucher) Zeit zu sparen ohne jeglichen Geschmacksverlust. Selbst Sterneköche wollen heute nicht mehr auf hochwertige Fertiggerichte verzichten, weil sie ihnen die Arbeit erleichtern. Übrigens sind gute Köche Meister im Vorbereiten von einzelnen Komponenten. Soßen und Desserts sind ein gutes Beispiel. Das ist nichts anderes als in der Manufaktur hergestellte Produkte.

 

Missverständnis #2: Fertiggerichte sind immer tiefgefroren

Wir sind alle dem Diktat der Werbung erlegen. Ob die bekannte Tiefkühlpizza, der Spinat mit dem Blub oder die Fischstäbchen. Alle diese Produkte sind fest in unserem Kopf verankert und stammen aus der Tiefkühltruhe oder vom Hauslieferanten. Doch ein Blick in die Kühltheke der bekannten Discounter zeigt, wie sehr die gekühlten Gerichte auf dem Vormarsch sind. Bei einer kleinen Analyse wird man feststellen, dass vom Billig- bis zum Premiumprodukt alles angeboten wird.

 

Missverständnis #3: Gekühlte Fertiggerichte sind nicht haltbar

Nicht tiefgefrorene Fertiggerichte sind im Regelfall mindestens 5 – 7 Tage haltbar. Das reicht aus, um sich einen Wochenvorrat anzulegen ohne in den Stress des Wegwerfens zu kommen. Da viele dieser gekühlten Produkte bedenkenlos eingefroren werden können, erhöht sich die Haltbarkeit enorm und zwar ohne Geschmacksverlust. Man kennt das ja, wenn der Hausmann oder die Hausfrau zu viel gekochte Speisen einfrieren. Um nichts anderes handelt es sich hier.

 

Missverständnis #4: Fertiggerichte sind nur für Faule

Würden sie einen Sternekoch als faul bezeichnen? Sicherlich nein. Er muss seine Zeit optimal nutzen, damit seine Gäste maximale Qualität ohne Wartezeiten bekommen. Genauso ist es doch im Haushalt auch. Die Familie will immer mehr Abwechslung, die Verwandtschaft kündigt kurzfristig den Besuch an oder man will in Ruhe den Feierabend genießen ohne Einkauf-, Vor- und Zubereitungsstress. Ohne Kompromisse bei der Qualität. Das kann jeder. Und für jeden Geldbeutel findet sich das passende Gericht.

 

Warum sind Fertiggerichte wichtig?

Zu allererst fällt einem dabei die Zeitersparnis ein. Gefolgt von Abwechslung und gleichbleibender Qualität. Aber auch unter ökologischen Gesichtspunkten können Fertiggerichte positive Auswirkungen haben. Die Produkte werden energie-, geschmacksschonend und auch abfallvermeidend zubereitet. Der Profi nutzt die Technik und seine Erfahrung, um möglichst effizient zu Kochen. Sicherlich, die Verpackung ist ein Thema. Aber die Rohstoffe werden oft direkt vom Erzeuger in Mehrwegverpackungen geliefert und die End-Verpackung ist recyclingfähig und leicht zu entsorgen. Schließlich sind die Lebensmittel, die man für ein Menü kauft, meist doppelt und dreifach verpackt. Wo ist da der Nachteil?

 

Fazit:

Bei Fertiggerichten gibt es gravierende Unterschiede. Auch der verwöhnte Verbraucher findet erstklassige Fertiggerichte oder Einzelkomponenten, um sich die Arbeit zu erleichtern. Ein Blick auf die Verpackung zeigt, woher die Zutaten kommen, wie zubereitet wurde und anhand der Haltbarkeit lässt sich ableiten, wie frisch das Gericht zubereitet wurde. Ausprobieren geht über Studieren.

 

Bild Quelle: © Canva